Deutschland*Ein*Wanderungsland
Deutschland*Ein*Wanderungsland ist eine Mitmach-Ausstellung, rund um die Migration von - Migration ist selbstverständlich und normal. Menschen ab 10 Jahren erkunden in Stationen Wanderungsgeschichten von Lebensmitteln, Wörtern und Menschen.
„Die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland,
eine nichthomogene, multiethnische, multikulturelle, multireligiöse, mehrsprachige usw. Gesellschaft und dies nicht erst seit neuestem. Migration hat es immer gegeben und es wird sie weiterhin geben.
“Wir sind hier, weil ihr da wart“ („we are here because you were there“); dieser Satz von Sivanandan, einem schwarzen Aktivisten in Großbritannien ist mir eindrücklich im Kopf geblieben als die kürzeste Form, in der man auf die Weltwirtschaftsordnung unserer Tage und auf Ursachen von (unfreiwilliger) Migration und Flucht verweisen kann.
Kulturen sind unabgeschlossen, prozesshaft und veränderbar. Sie sind weder Naturkonstanten noch Eigenschaften, die Menschen determinieren. Sie sind klassen-, alters-, geschlechtsspezifisch, unterscheiden sich nach ethnischen, sprachlichen u.a. Gesichtspunkten und stehen in einem Verhältnis von Über- und Unterordnung zueinander bzw. kämpfen gegeneinander. Nicht die Verschiedenheit an sich, sondern die Machtverhältnisse, unter denen sich kulturelle Formen begegnen und sich jeweils durchsetzen müssen, ist dabei das Entscheidende.“ (von Annita Kalpaka)
große Zusammenhänge in alltäglichen Beispielen
Die Ausstellung thematisiert große, globale Zusammenhänge in kleinen alltäglichen Beispielen, dem Grundschulalter angepasst. Sie ermöglicht die Erfahrung gegenseitiger Abhängigkeiten. Dadurch stärkt die Ausstellung das Gefühl und das Wissen, dass Entwicklungen auf dieser ‚Einen Welt‘ tatsächlich zusammenhängen.
Alle Kinder erarbeiten sich Wissen über (Wanderungs-)Geschichte(n) und ihre Zusammenhänge: Wie sich kulturelle Errungenschaften im Miteinander entwickelten, wie der Reichtum Europas durch koloniale Eroberungen entstand, wie die koloniale Geschichte unseren Alltag bis heute prägt. Alle können damit vorbereitet werden auf das Leben in der globalisierten Welt mit ihren facettenreichen transkulturellen Identitäten und ihren vielfältigen Lebensentwürfen. Vor diesem Hintergrund ist die Ausstellung mit ihrer Kernaussage ‚Migration ist Alltag, völlig normal und uralt‘ ein Empowerment für Kinder.
Europas Geschichte ist eng verflochten
Die Ausstellung und die begleitenden Bildungsangebote sollen Grundsteine legen für Verantwortung und Solidarität in der Einwanderungsgesellschaft und der ‚Einen Welt‘, indem Schüler erkennen, dass ‚europäische Geschichte‘ nicht isoliert stattfand, dass der Reichtum nicht im luftleeren Raum entstand, dass gesellschaftliche Entwicklung immer im Miteinander und in der Vermischung stattfand.
Während Einflüsse von außen im Geschichtsunterricht und im oftmals eurozentrischen Selbstbild vielfach ausgespart werden, macht die Ausstellung Deutschland*Ein*Wanderungsland über Wanderungswege Transkulturalität sichtbar, legt Spuren zu den vielen Quellen unserer Kultur(en) und zur Geschichte, die eine Geschichte der Bereicherung im doppelten Sinne ist, eben auch eine der Ausbeutung. Und die Ausstellung legt die Grundlage für ein offenes Verständnis von Kultur. Kulturen sind keine voneinander getrennten Inseln, niemals festgelegt, rein, ursprünglich oder abgeschlossen, wie das auf Herder beruhende traditionelle Kulturverständnis suggeriert. Die Ausstellung erinnert daran, dass Kulturen die Provokation durch fremde Quellen benötigen. Dieses Verständnis wappnet Kinder und Erwachsene für die Zukunft.
In Einem: Die Ausstellung lädt ein, transkulturelle Dimensionen zu entdecken: Kulturen sind miteinander verflochten und durchdrungen, sie gehen ineinander über.
Bildungsansatz
Inhalte und Form beruhen auf Grundlage des globalen Lernens unter Einbeziehung der Milleniums-Entwicklungs-Ziele und der Migrationspädagogik. Diese beinhaltet Erkenntnisse der kritischen Rassismusforschung und der Intersektionalitätsforschung (welche sich auf die Überschneidung von Machtverhältnissen und damit Diskriminierungsformen bezieht) bzw. Ungleichheitsforschung (einem Bereich der Bildungswissenschaften). Die Ungleichheitsforschung geht davon aus, dass soziale Ungleichheit in allen bekannten Gesellschaften existierte und existiert und immer eine sozial erzeugte Tatsache ist, auch wenn sie als naturgegeben und ’normal‘ erscheint. So werden in allen drei Ausstellungsbereichen (Wie Wörter wandern, wie Lebensmittel wandern, wie Menschen wandern) Ungleichheiten thematisiert, um ein Nachdenken darüber, was ’normal‘ und ’naturgegeben‘ erscheint, zu ermöglichen. Denn das, was sozial erzeugt ist, ist auch veränderbar. Soziale Gerechtigkeit ist die Leitvorstellung. Sie zielt auf die gleiche Verteilung materieller und immaterieller Ressourcen in einer Gesellschaft und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zur Teilhabe, einschließlich der Generationen-Gerechtigkeit. Derart werden die zentralen Fragen des Globalen Lernens bearbeitet, die Fragen nach der Verwirklichung von Menschenrechten, globaler Gerechtigkeit und nach den Bedingungen für eine friedliche Welt.


